Was ist "Walking-In-Your-Shoes" nun genau?
Christian Assel, Sept. 2013, Quelle www.wiys-institut.org
Walking-In-Your-Shoes ermöglicht auf besondere Weise das Verständnis für Personen, Tiere und Elemente unserer Welt. Dieses Verständnis ist immer dann von Nöten, wenn sich Konflikte, Schwierigkeiten oder Hürden aufgetan haben, die ein Handeln auf einer inneren Ebene erforderlich machen. Sobald Sie z.B. eine bestimmte Person auf besonders tiefe Weise verstehen lernen, ebenso die Beweggründe für ihr Handeln, ihre An- und Absichten, ihr Innerstes, ihre Seele, dann fällt es Ihnen leicht, diese zu achten und sie anzuerkennen. Sie können sie genau so nehmen, wie sie ist. Dies fördert eine gute Beziehung zwischen Ihnen und der Person, mit mehr Kraft und mehr Möglichkeiten für beide.
Das selbe trifft auch für andere Rollen zu, die für ihr Anliegen gegangen werden können. WIYS macht deutlich, was ihnen z. B. ihr Symptom, ihre Krankheit, ihre Unzufriedenheit mit bestimmten Elementen ihres Lebens, ihr Potential, ihre berufliche Zukunft oder ihr "blinder Fleck" sagen wollen.
Entwickelt wurde diese Methode von John Cogswell und Joseph Culp. John suchte nach einer Möglichkeit, seinen Klienten besser zu helfen, in dem er sie walken ließ oder selber walkte. Dadurch konnte er sie umfassender beraten. Joseph suchte nach einer Möglichkeit, um ganz tief in die jeweilige Film- oder Theater Rolle hineinzufinden, denn zwischen dem Schauspieler und der Rolle wird damit eine erstaunliche Nähe erreicht. Im Experimentieren mit dieser Methode sah Joseph alsbald, dass auch Rollen aus dem "richtigen" Leben, z. B. wirkliche Personen, "gegangen" werden können, und dass dieses die bisherigen Grenzen der Schauspielerei sprengte. Daraus entwickelte sich "Walking-In-Your-Shoes", wie wir es heute kennen.
Auf der phänomenologischen Ebene von Walking-In-Your-Shoes, die vielleicht auch die "seelische" Ebene genannt werden kann, zeigt sich das Anliegen des Ratsuchenden auf eine besonders echte und wirkliche Weise. Er kann erkennen, wie das Anliegen "tickt", bzw. sich in der Welt befindlich sieht und empfindet, was es hat und was es braucht, dessen Leichtigkeit, dessen Schwierigkeit, dessen Impulse und Blockaden. Wenn der Ratsuchende mit dieser Hilfe das Anliegen besser versteht, kann er viel leichter ein Mitgefühl dafür entwickeln und sich tiefer im ganzen darauf einlassen. Dadurch fällt es ihm leichter dem Anliegen, in Bezug auf den Menschen, dem Tier oder dem Element um das es geht, mit Verständnis und Liebe zu begegnen und entsprechend zu handeln. Das dient dem Leben und fördert das Miteinander. Der Anliegensteller kann daran wachsen, weil er für sich entdecken kann, wie andere zu ihm und wie auch er zu ihnen steht. Je mehr Walking Rollen er geht, desto mehr Antworten auf seine Fragen bekommt er. Der Anliegensteller nähert sich mehr und mehr dem an, was ihm von außen entgegentritt, und kommt gerade so zu sich selbst.